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Pfadfinder verteilen Friedenslicht
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Pfadfinder verteilen Friedenslicht

(eb/pr) Osnabrück, 11. Dezember 2018 / Auch in diesem Jahr veranstaltet die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Bistum Osnabrück wieder die „Aktion Friedenslicht“. Dabei wird das Friedenslicht aus Bethlehem über Österreich ins Bistum Osnabrück geholt. Das Friedenslicht wird seit 1986 jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit von einem Kind in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem entzün...

Stadt & Land

''La Vie'' geschlossen: Osnabrück verliert Drei-Sterne-Tempel

Dieses Team wird es nicht mehr geben: Thomas Bühner mit der ''finalen'' Mannschaft des Osnabrücker Drei-Sterne-Restaurants La Vie, das seit 15. Juli 2018 Geschichte ist. © für Abbildung: PR; Quelle: Thomas Bühner(eb/pr) Osnabrück, 20. Juli 2018 / Schon lange wurde kolportiert, dass das Osnabrücker Spitzenrestaurant "La Vie" des GMHütter Stahlbarons Jürgen Großmann zwar gastronomisch zu den Abräumern bundesweit gehört, aber alljährlich hohe Verluste eingefahren hat. Seit dem 15. Juli ist das La Vie nun Geschichte – und damit auch die drei herausragenden Michelin-Sterne, die Thomas Bühner mit seiner exzellenten Crew in den letzten 12 Jahren herausgekocht hatte.

Neben den Sternen holte der 56-jährige Bühner 19 Gault & Millau-Punkte sowie 5 F's im Feinschmecker mit seinem Team um Restaurantleiterin Nadja Siebert, Sommelier Christian Scholz, Küchenchef Timo Fritsche, Patissier Roman Aster und Tasty Kitchen-Küchenchef Tobias Pietsch nach Osnabrück – nun sind die Spitzenköche mehr oder weniger von heute auf morgen arbeitslos. Denn nur Bühner wusste seit Mitte Juni, was auf ihn und seinen Gourmettempel zukommt – gegenüber seiner Mannschaft war er durch die GMHütter Geschäftsführung nach Medienberichten zum Stillschweigen verdonnert worden. Die Mitarbeiter erfuhren mit gerade mal zwei Tagen Vorlauf von ihrem Schicksal.

Auf Facebook verabschiedete sich Bühner mit folgenden Worten: "…Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich bei meinem herausragenden Team, unserem Eigentümer, unseren bezaubernden Gästen und der Stadt Osnabrück für 12 fantastische Jahre zu bedanken.Wir sind stolz auf und dankbar für all das, was wir hier erreichen konnten und danken jedem einzelnen, der uns auf dieser fantastischen Reise begleitet hat. Selbstverständlich halte ich Euch auch weiterhin auf dem Laufenden und bin sicher, viele von Euch schon bald wiederzusehen".

Das ist nur zu hoffen. Denn auch wenn ein Drei-Sterne-Gourmettempel in einer Stadt wie Osnabrück – der Stadt des Understatements – nicht immer und überall wohl gelitten war, darf man nicht vergessen, dass Bühner sich auch für die Stadt und die Region eingesetzt hat. Zunächst natürlich mit seiner Haute Cuisine, mit der er zum Markenbotschafter für Osnabrück wurde, wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert betonte. Mit mehr als 40 Sitzplätzen war das La Vie zudem das größte Drei-Sterne-Restaurant Deutschlands.

Thomas Bühner (l.) trug sich 2016 ins Goldene Buch der Stadt Osnabrück ein. © für Abbildung: PR; Quelle: Stadt OS; Aufnahme: Gerd Meyering"Das La Vie hat Gäste von nah und fern, auch aus anderen Kontinenten, in die Stadt gebracht, die sonst wohl nie zu uns gekommen wären", machte Griesert deutlich. Nicht zuletzt für sein Engagement als "kulinarischer Botschafter" durfte sich Bühner 2016 im Goldenen Buch der Stadt Osnabrück verewigen.

Letztlich schmückte sich sogar das Land Niedersachsen mit Bühner: Auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin sorgte Bühner auf dem Stand des Landes beim "Niedersächsischen Abend" im Jahr 2016 für kulinarische Genüsse. Ebenfalls im Jahr 2016 war das World Gourmet Society Festival zu Gast im La Vie. Dieses Festival findet zeitgleich an verschiedenen Orten weltweit statt, um den Clubmitgliedern die Entdeckung kulinarischer Landschaften in der ganzen Welt ("discover new culinary landscapes") zu ermöglichen. Dazu kreierte er eigens ein Neun-Gänge-Menü, das nur während des Festivals erhältlich war – und wiederum eine Schar illustrer Gäste nach Osnabrück lockte.

Doch Bühner, der aus Riesenbeck stammt, verlor nie die Bodenhaftung: Er setzte sich mit der Unterstützung der Kampagne "Save the Sea" gegen illegale Fischerei und für die Zukunft von Bienen ein, indem er zwei Bienenstöcke direkt am La Vie aufstellte. Zu Gunsten der Osnabrücker Krebsstiftung wurden Menügutscheine vergünstigt abgegeben – satte 2.000 Euro landeten in der Spendenkasse für die Psychosoziale Krebsberatungsstelle.

Auch für das Klinikum Osnabrück war Bühner tätig: Schon 2014 kreierte er einen alternativen Speiseplan für Patienten, die sich Menüs aus der Altstadt ans Bett ordern konnten. Das war jedoch nur ein Teil einer langfristig ausgelegten Kooperation, die bis Ende 2017 andauerte. Laut Klinikum-Sprecherin Silvia Kerst war das letzte Projekt die Erneuerung der Klinikum-Küche sowie ein neues Konzept zur Speisenversorgung, bei dem Thomas Bühner mit seiner Expertise das Klinikum unterstützend beraten hat.

Prof. Dr. Thomas Vilgis (l.) und Chef de Cuisine Thomas Bühner während der wissenschaftlichen Kochshow ''Cookuos'' der Uni Osnabrück im Jahr 2014. © für Abbildung: EigenfotoFür gute Ernährung setzte sich Thomas Bühner auch seit 2014 bei dem Projekt "Cookuos– Studieren mit dem Kochlöffel" ein. In dieser Veranstaltungsreihe der Uni Osnabrück, die von der Deutschen UNESCO-Kommission ausgezeichnet wurde, wurden auf äußerst anschauliche Art – mit Lve-Cooking-Demos - angehenden Lehrern gesunde und nachhaltige Ernährungskonzepte vermittelt, die wiederum die Inhalte an ihre Schüler weitergaben. Daraus ist heute ein eigenständiger Verein entstanden, für den Thomas Bühner die Schirmherrschaft übernommen hat.

Unter seiner Ägide entwickelte sich das Format weiter und "wanderte" aus dem Uni-Hörsaal in die Osnabrückhalle: Dort brachte er im Januar 2018 unter dem Titel ''T hoch 3'' gemeinsam mit dem Göttinger Ernährungsexperten Dr. med. Thomas Ellrott sowie dem Mainzer Physiker Prof. Dr. Thomas Vilgis eine wissenschaftliche Kochshow auf die Bühne, um nicht zuletzt der immer stärker werdenden Nachfrage gerecht zu werden.

Dabei ging es bei weitem nicht um Spitzenküche. Bühner zeigte unter anderem, wie aus einem verbrannten Spitzkohl am Ende ein wirklich schmackhaftes Gericht wird, wie Fermentation unser aller Tag begleitet - beispielsweise beim Kaffee trinken oder Brot backen - und dass man wirklich aus allen Teilen eines Produktes, sei es ein Blumenkohl oder ein Huhn, Köstlichkeiten zubereiten kann. Mit einem solchen Erfolg, dass die "drei Thomasse" Auszüge aus ihrer Show im Rahmen der Berlinale im Februar 2018 in Berlin präsentierten.

Diesem Projekt wird Bühner auch nach dem La Vie-Ende treu bleiben, wie Cookuos-Vereinsvorstand Uwe Neumann berichtete: "T hoch drei" wird am Freitag, 7. September (11 bis 14 Uhr) zu Gast auf der Laga in Bad Iburg sein. "Thomas Bühner ist und bleibt loyaler und integraler Bestandteil von T hoch 3. Er bleibt uns unabhängig von seiner Wirkungsstätte erhalten. Ihm und seinen Mitarbeitern wünschen wir jetzt vor allem einen guten Neuanfang", so Neumann.

Er ist nicht der Einzige – auf Facebook sind zahlreiche Einträge, die das Ende des La Vie mehr als bedauern und es beispielsweise so ausdrückten: "Sie waren eine persönliche Bereicherung und eine Bereicherung für diese Stadt. Alles erdenklich Gute und hoffentlich auf ein Wiedersehen".

Der 1962 in Riesenbeck geborene Bühner absolvierte im "Schweizer Haus" in Paderborn seine Ausbildung zum Koch. 1989 ging er als "Chef de Partie" zu Harald Wohlfahrt in die Schwarzwaldstube. Seinen ersten Michelin-Stern erhielt Bühner 1996 im Dortmunder "La Table", einen weiteren zwei Jahre später. 2001 wurde er vom Gault Millau zum "Aufsteiger des Jahres" gekürt, 2006 zum "Koch des Jahres". 2009 erhielt er die Auszeichnung "Grand Chef Relais & Chateaux".  Seit 2006 führte Bühner das La Vie, das 2011 mit drei Michelin-Sternen und 19 Gault Millau-Punkten ausgezeichnet wurde.

Thomas Bühner

Restaurant La Vie auf Facebook

Projekt Cookuos
 

 

 

 

 


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