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Heftiger Widerstand: 23-Jähriger bricht Polizisten das Handgelenk

(eb/pr) Hagen, 31. August 2018 / Bei einem Polizeieinsatz am Ulmenweg in Hagen sind jetzt gleich zwei Polizeibeamte von einem betrunkenen 23-Jährigen verletzt worden. Einem der Polizisten der Randalierer das Handgelenk. Nach dem Polizeibericht waren die Beamten zu einem Einsatz wegen eines „Randalierers in einer Wohnung“ gerufen worden. Wie sich herausstellte, ging es um einen betrunkene...

Polizei & Gericht

Fachtagung: 3.137 Fälle von häuslicher Gewalt im Vorjahr

Referenten und Organisatoren der Veranstaltung im Osnabrücker Schloss. © PR; Quelle: Polizeidirektion Osnabrück(eb/pr) Osnabrück, 13. Juli 2018 / Erschreckende Zahlen: In Deutschland wird laut terre des temmes alle 2,5 Tage eine Frau von ihrem Partner, Ex-Partner oder Lebensgefährten getötet. Und rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren erleben laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in einer Partnerschaft. Grund genug für die Polizeidirektion Osnabrück und das Institut für Islamische Theologie (IIT) der Universität Osnabrück, gemeinsam die Fachveranstaltung „Häusliche Gewalt - Zusammenhänge mit religiösen Ideologien und Extremismen“ zu veranstalten. Über 90 Gäste nahmen an der Veranstaltung, im Osnabrücker Schloss teil - darunter Experten, aber auch zahlreiche Interessierte aus der Region.

In seiner Einleitung machte Michael Maßmann, Leiter der Polizeiinspektion Osnabrück, deutlich, dass häusliche Gewalt für die Osnabrücker Polizei ein sehr wichtiges und zugleich äußerst sensibles Thema ist und bereits seit vielen Jahren eine besondere Stellung in der polizeilichen Arbeit in Stadt und Landkreis Osnabrück einnimmt. Polizeihauptkommissarin Monika Holtkamp von der Polizeiinspektion Osnabrück stellte im Anschluss das seit 2011 existierende Osnabrücker Modell "Fallmanagement zur Deeskalation bei häuslicher Gewalt und Stalking" vor. Insgesamt 19 Netzwerkpartner, darunter Polizei, BISS Stadt und Landkreis, „FAUST“, Frauenberatungsstelle, Gleichstellungsbeauftragte Stadt und Landkreis, usw., thematisieren in regelmäßig stattfinden Fallkonferenzen Hochrisikofälle von häuslicher Gewalt. Ziel: Das systematische Erkennen und Bearbeiten von Hochrisikofällen im Verbund mit den Netzwerkpartnern. „Das Modell zeichnet sich dadurch aus, dass regelmäßig die Fachleute aus den verschiedenen Institutionen an einem Tisch zusammenkommen, um ge-meinsam gravierende Fälle zu erörtern“, so Holtkamp. Das Fallmanagement funktioniere in Osnabrück sehr gut. Auch deswegen schauten viele Städte innerhalb Niedersachsens und über die Landesgrenzen hinaus mit großem Interesse auf das „Osnabrücker Modell“.

Jasser Abou Archid, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom IIT, erläuterte durch seine wissenschaftlichen Expertisen und praktischen Erfahrungen an einem konkreten Fall Häuslicher Gewalt aus Belm, wie unterschiedlich die Motivation sein könne, warum es zur Häuslichen Gewalt komme. Gewalt werde bei den Tätern oftmals durch die irrige Vorstellung kulturell, traditionell oder religiös zu handeln, begründet und gerechtfertigt. Im Belmer Fall habe er den aus syrischen stammenden Mann, der unter anderem seine Frau wiederholt geschlagen hatte in der Justizvollzugsanstalt in Lingen besucht, um dessen Motivation für die Misshandlungen seiner Frau zu hinterfragen und zu ergründen. Dadurch, dass Abou Archid ebenfalls aus Syrien stammt und Imam ist, gelang es ihm sehr schnell, einen Zugang zum Täter zu finden. Durch Quellentexte aus dem Koran und durch Verse von Gelehrten, konnte Abou Archid dem Mann muslimischen Glaubens deutlich machen können, dass Gewalt durch nichts zu rechtfertigen ist und auch die verschiedenen Religionen Gewalt ablehnten. Der Gerade bei den Fällen Häuslicher Gewalt, bei denen ein Migrationshintergrund eine Rolle spiele, kämen Jugendamt und Polizei schnell an ihre Grenzen. Es fehle meist das kulturelle und religiöse Verständnis. Um die richtigen Maßnahmen treffen zu können sei es wichtig, muslimische Seelsorger, Theologen, und Wohlfahrtspflege bei der Aufarbeitung von Fällen der Häuslichen Gewalt intensiver miteinzubeziehen.

Samy Charchira, ebenfalls vom IIT, referierte über den religiösen Extremismus. Sein Pladoyer: „Häusliche Gewalt in extremistischen Familienstrukturen ist vor allem eine Aufgabe der Familien- und Jugendhilfe. Und wir brauchen bei der muslimischen Sozialen Arbeit die gleichen Standards.“ Ein erster Schritt: Am Institut für Islamische Theologie ab Wintersemester 2019 der Studiengang Soziale Arbeit angeboten. Seit 2017 hat die Universität Osnabrück darüber hinaus den Auftrag - gefördert durch das Bundesforschungsministerium - einen Bachelor - und Masterstudiengang „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“ aufzubauen. Ziel sind wissenschaftlich qualifizierte Theologinnen und Theologen mit Kompetenzen in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen mit Kompetenzen in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen mit theologischer Kompetenz. Auch die Radikalisierungsprävention müsse in diesem Zusammenhang eine größere Rolle spielen - der Übergang sei mitunter fließend. Am Ende mache der Mix aus verschiedenen Angeboten die Qualität der Arbeit aus, so Charchira.

In der Polizeidirektion Osnabrück kam es 2017 zu 3.137 Fällen von Häuslicher Gewalt. 2.190 der Opfer waren weiblich, 755 männlich. 10 Jahre zuvor waren es insgesamt 2.153 Fälle - 45 Prozent weniger. In Stadt und Landkreis Osnabrück kam es 2017 zu 1.108 Fällen. Ein wesentlicher Grund für die Steigerung ist die intensivierte Aufklärungsarbeit in Sachen häusliche Gewalt durch Polizei und andere mit der Thematik befassten Institutionen, wodurch Opfern im ersten Schritt bewusstgemacht werden soll, dass häusliche Gewalt strafbar ist. Die Aufhellung des Dunkelfeldes soll weiterhin ein Ziel der (Aufklärungs-)Arbeit aller Institutionen bleiben.

Polizeidirektion Osnabrück


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