Suchen und finden auf Marktplatz Osnabrück

Nachrichten im Fokus

Lichtgläser gebastelt: Kerzen für Sternenkinder im Klinikum
Lichtgläser gebastelt: Kerzen für Sternenkinder im Klinikum
Uwe Goebel ist neuer IHK-Präsident
Uwe Goebel ist neuer IHK-Präsident
Edle Brände, besondere Tassen-Tradition: Weihnachtsmarkt in Osnabrück ist gut gestartet
Edle Brände, besondere Tassen-Tradition: Weihnachtsmarkt in Osnabrück ist gut ...
Klinikum Osnabrück mit neuem Geschäftsführer
Klinikum Osnabrück mit neuem Geschäftsführer

Schwimmen wird teurer: Ab 1. Oktober neue Bädertarife in Osnabrück

(eb/pr) Osnabrück, 4. September 2018 / Zum 1. Oktober heben die Stadtwerke Osnabrück die Basistarife im Nettebad, Moskaubad und Schinkelbad an. Grund für die Preiserhöhung sind nach Angaben des Versorgungsbetriebs insbesondere die stetig steigenden Personal- sowie Betriebs- und Instandhaltungskosten. Die Stadtwerke hatten die Bädertarife letztmalig vor zwei Jahren angehoben.

Gesundheit

Gegen verdeckte Altersarmut: Broschüre informiert über Wohngeld für Senioren

Stellten die neue Wohngeldbroschüre vor: Jürgen Schulte, Anette Herlitzius, Mathias Eckardt und Jürgen Wilkewitz (v.l.). © für Abbildung: PR; Quelle: Stadt OS; Aufnahme: Silke Brickwedde(pr/eb) Osnabrück, 23. Februar 2018 / Verdeckte Altersarmut ist auch in Osnabrück ein Thema: Viele Ältere mit einer kleinen Rente fallen unter die Armutsdefinition, so dass sie Anspruch auf Leistungen wie Wohngeld hätten. Doch oft genug wird dies nicht in Anspruch genommen: Entweder aus Scham, zum Amt gehen zu müssen – oder aus Unwissenheit. Dem wollen das Osnabrücker Seniorenbüro und der Seniorenbeirat entgegen wirken: Gemeinsam haben die beiden Institutionen eine neue Broschüre herausgegeben, die über das Thema Wohngeld umfassend informiert und Hilfsmöglichkeiten aufzeigt.

Wohngeld ist ein Zuschuss zu den Wohnkosten für Haushalte mit geringem Einkommen bzw. geringer Rente. Sowohl Wohnungsmieter als auch Wohnungs- bzw. Hauseigentümer, die ihr Eigentum selbst bewohnen oder Bewohner von Altenpflegeheimen können wohngeldberechtigt sein. "Etwa 1.400 Haushalte in Osnabrück haben 2016 diese Leistung erhalten", zählte Jürgen Schulte auf. Er ist Fachdienstleiter allgemeine Sozialleistungen, Fachbereich Integration, Soziales und Bürgerengagement Ob ein Rechtsanspruch auf Wohngeld besteht, wird im Einzelfall abhängig vom Haushaltseinkommen, der Miethöhe und der Anzahl der Haushaltsmitglieder geprüft.
 
Es handelt sich dabei um eine Sozialleistung, die nach den Vorschriften des Wohngeldgesetzes (WoGG) gewährt wird. Wohngeld wird je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen und soll Menschen ein Existenzminimum sichern und damit Armut verhindern. Denn Menschen mit kleiner Altersrente sind stark armutsgefährdet. Als arm oder armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt.

Arm sind danach alle, die über so geringe Mittel verfügen, "dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die als Minimum annehmbar ist". Die Armutsschwelle lag danach 2015 für einen Single bei 942 Euro (Nettoeinkommen eines Haushaltes inklusive Transferleistungen oder sonstiger Zuwendungen). Als Faustregel gilt: Haushalte mit geringem Einkommen sollten nicht mehr als 30 Prozent ihres (Netto-)Einkommens für die (Bruttokalt-)miete aufwenden, da sonst nicht genug Geld für den Alltag bleibt.

Rentner entwickeln sich zu einer besonderen Risikogruppe. Laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes stieg die Armutsquote bei Rentnern von 10,7 Prozent im Jahr 2005 auf 15,9 Prozent im Jahr 2015, eine Steigerung von rund 48 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Im Bevölkerungsdurchschnitt stieg die Quote von 14,7 auf 15,7 Prozent.
 
Lag die Armutsquote Rentnern vor zehn Jahren also noch weit unterhalb der durchschnittlichen Armutsquote, liegt sie nun seit 2013 bereits darüber. Man geht außerdem davon aus, dass rund 2,5 Millionen Rentner mit ihrem Einkommen nur knapp über der Armutsschwelle liegen. Die Zahl der Personen, die Grundsicherung im Alter beziehen, hat sich seit Einführung dieser Leistung 2003 mehr als verdoppelt (2003:1,7 Prozent; 2015: 3,1 Prozent). Die Zahl der erwerbsgeminderten Grundsicherungsbezieher hat sich im selben Zeitraum nahezu verdreifacht.
 
Mit der Wohngeldreform 2016 wurde das Wohngeld an die Entwicklung des Einkommens und der Mietpreise angepasst und somit die Wohngeldleistungen erhöht, um die finanzielle Situation der Haushalte mit geringem Einkommen zu verbessern. Beim Wohngeld darf der Antragsteller, anders als bei der Grundsicherung, 60.000 Euro finanzielle Rücklagen behalten und die Angehörigen müssen nicht zuzahlen.
 
"Unstrittig unter Praktikern der Sozialberatung ist, dass viele Ältere ihren Anspruch nicht geltend machen" berichtete Anette Herlitzius vom Seniorenbüro. Die Gründe seien vielfältig: "Manche schämen sich zum Amt zu gehen oder haben Angst, dass die Kinder für sie Unterhalt zahlen müssen oder sie kennen einfach ihre Rechte nicht". Wie viele Senioren keine Hilfen beantragen, obwohl sie ihnen zustünde, kann nicht genau beziffert werden. "Die Datenlage ist dürftig. Studien gehen – je nach Leistung - von einer Quote zwischen 40 und 68 Prozent aus". Dabei sind Frauen wesentlich stärker betroffen als Männer: Da Frauen weit häufiger für die – unbezahlte - Kinderbetreuung oder auch die Pflege von Angehörigen zuständig sind, zahlen sie weniger Rentenbeiträge und erhalten letztlich deutlich weniger Rente.
 
Die durchschnittliche Altersrente für Männer, die vor 2015 in Rente gingen, beträgt in Niedersachsen 1.105 Euro. Männer, die seit 2015 eine Rente erhalten, bekommen durchschnittlich 1.062 Euro. Die Durchschnittsrente für Frauen, die vor 2015 in Rente gingen, beträgt in Niedersachsen 575 Euro. Ab 2015 erhielten Neurentnerinnen durchschnittlich 587 Euro monatlich (ohne "neue" Mütterrente 639 Euro).
 
Für mehr als drei von vier Frauen sowie für gut ein Drittel der Männer liegt die Altersrente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 942 Euro, es sei denn, sie können auf zusätzliche Einkommensarten oder Vermögen zurückgreifen. In Deutschland haben aber 48 Prozent der Männer und 69 Prozent der Frauen über 65 Jahren ausschließlich Ansprüche auf Leistungen der Rentenversicherung.

Der Flyer "Wohngeld für Senioren", der geltende Wohngeldregelungen erläutert, ist neben vielen anderen Informationsbroschüren "Rund ums Alter" in der Bürgerberatung, Bierstraße 32a, erhältlich. Er listet auch Stellen auf, die bei der Antragstellung helfen.

Stadt Osnabrück

Seniorenbüro der Stadt OS
 

 

 


Leser-Kommentare

- Wollen Sie einen Kommentar erstellen?