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Berufe aus erster Hand: Talent trifft Ausbildung

(eb/pr) Osnabrück, 3. September 2018 / Ausbildungsberufe ganz praktisch zu erleben, selbst Hand anzulegen und mit Azubis über ihre Erfahrungen zu sprechen: Darum geht es bei der Veranstaltung „Talent trifft Ausbildung“, die am Donnerstag, 27. September, von 8 bis 19 Uhr in der Oberschule Hagen stattfindet. „Auch diesmal ist es uns ganz wichtig, die Eltern einzubeziehen, die nach wie vor ...

Beruf & Bildung

34-Jähriger Flüchtling startet als Azubi durch

Peshang Enes, hier mit Eugen Pinsker und Michael Kelka (beide Maßarbeit), sowie den Klockenbrink-Geschäftsführern Wolfgang und Sven Opitz (v.l.), freute sich über seine Ausbildungsstelle. © für Abbildung: PR; Quelle: Maßarbeit; Aufnahme:  Kimberly Lübbersmann(pr/eb) Melle, 27. Februar 2018 / Bei der Integration von Flüchtlingen in die deutsche Arbeitswelt sind häufig kreative Lösungen gefragt, da es in den Ursprungsländern kein vergleichbares Ausbildungssystem gibt und dementsprechend die beruflichen Vorerfahrungen in Deutschland vielfach nicht anerkannt werden. So auch bei Peshang Enes: Der syrische Flüchtling mit kurdischen Wurzeln hat sich mit viel Eigenengagement seinen beruflichen Traum erfüllt und beginnt mit 34 Jahren eine Ausbildung zum Maler.

Begleitet hat ihn dabei die Maßarbeit, Unterstützung fand er beim Malerfachbetrieb Klockenbrink in Melle: Denn das Unternehmen setzte nicht auf formale Qualifikationen, sondern schaute selbst ganz genau hin und gab dem jungen Mann eine Chance. Er habe bereits in Syrien als Maler gearbeitet, schilderte Peshang Enes, aber dafür habe es eben keine Ausbildung gegeben. Sein Ansprechpartner bei der Maßarbeit war Eugen Pinsker. Der Außenstellenleiter und Mitarbeiter des ArbeitgeberService war beeindruckt von der Zielstrebigkeit des Kurden: "Herr Enes hat von Anfang an gesagt, er wolle unabhängig von Sozialleistungen werden", erinnerte sich Pinsker.

"Ich habe eine Frau und vier Kinder – für die will ich ohne fremde Hilfe sorgen", so Enes fester Vorsatz. Durch einen privaten Kontakt wurde der 34-Jährige auf den Malerfachbetrieb Klockenbrink aufmerksam und bewarb sich um ein Praktikum. "Wir waren begeistert", berichtete Juniorchef Sven Opitz: Der syrische Flüchtling überzeugte im Betrieb durch viel Freude an der Arbeit und seine freundliche Art auf ganzer Linie. Dass Peshang Enes erst das Sprachniveau A 2, also erste Grundkenntnisse erreicht hatte, störte den Klockenbrink-Geschäftsführer dabei nicht.

Das 1846 gegründete Familienunternehmen mit neun Mitarbeitern bietet eine breite Angebotspalette rund um die Wand- und Fußbodengestaltung, aber auch Sanierungsarbeiten am Mauerwerk, den Gerüstbau und Verglasung an. "Wir müssen sehr flexibel und kundenorientiert arbeiten", erläuterte Seniorchef Wolfgang Opitz. Engagierte Mitarbeiter wie Peshang Enes seien deshalb extrem wichtig. Klockenbrink hat auch in der Vergangenheit schon mehrfach langzeitarbeitslose Bewerber eingestellt: "Es kommt immer auf den Menschen an, eine Qualifikation auf dem Papier sagt oft wenig aus", so die Erfahrung von Wolfgang Opitz.

Eugen Pinsker hatte jedoch zunächst Bedenken, als der Familienvater berichtete, er wolle eine Ausbildung anfangen. "Ich habe befürchtet, dass der schulische Anteil bei den eher geringen Sprachkenntnissen eine Überforderung sein könnte", meinte Pinsker. In einem gemeinsamen Gespräch mit Peshang Enes und dem Unternehmen wurden dann Möglichkeiten ausgelotet, den Traum dennoch wahr werden zu lassen. So stieg Enes im Januar 2017 zunächst sieben Monate mit einer Einstiegsqualifizierung (EQ) bei Klockenbrink ein.

Diese Kombination von Arbeiten und Lernen im Unternehmen ermöglichten beiden Seiten, gemeinsam herauszufinden, ob die Ausbildung gelingen kann. Parallel dazu erhielt der Flüchtling vermittelt von der Maßarbeit individuelle Sprachförderung. "Der Sprachunterricht, aber auch das tägliche Reden im Job hat mir sehr geholfen", betonte der vierfache Familienvater. Auch zu Hause versuche er, mit seinen Kindern möglichst viel Deutsch zu sprechen.  Am 1. August vergangenen Jahres startete er dann in die reguläre Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter.

"Ich wusste, jetzt muss ich drei Jahre lang richtig Gas geben", lächelte der angehende Geselle. Denn sein Terminkalender ist voll: Drei Tage ist er im Job, zwei Tage in der Förderklasse der Berufsschule. Daran schließen sich an einem Tag individueller Sprachförderunterricht an und an zwei Tagen Nachhilfeunterricht, die sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen. "Dann bin ich manchmal ganz schön kaputt", erzählte Enes.

Dennoch ist er mit ganzem Herzen bei der Sache und das sehr erfolgreich: Inzwischen hat er das Sprachniveau B1 erreicht, in der Schule läuft es richtig gut und drei Lehrgänge bei der Handwerkskammer hat er mit der Note 1 abgeschlossen. "Mit Peshang Enes haben wir einen echten Glücksgriff gemacht", waren sich die Klockenbrink-Geschäftsführer Wolfgang und Sven Opitz einig. Maßarbeit-Bereichsleiter Michael Kelka wünschte sich mehr solcher Fälle: "Ich kann nur jedes Unternehmen auffordern, auch mal mutig zu sein, gerade was die Sprachkompetenz von möglichen Mitarbeitern oder Azubis angeht".

Die verbreitete pauschale Annahme, unter einem Sprachniveau von B 2 sei eine Vermittlung unsinnig, werde nicht zuletzt durch das Beispiel von Peshang Enes widerlegt. "Ganz viel Sprachvermittlung erfolgt auch bei der Arbeit im Austausch mit den Kollegen – und begleitende Unterstützung kann die Maßarbeit immer zur Verfügung stellen", betonte Kelka.

Maßarbeit beim Landkreis Osnabrück

Malerfachbetrieb Klockenbrink

 

 

 


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